Die Konjunkturprognose für Deutschland haben die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute (vgl. DIW Berlin: Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2020) gegenüber dem Frühjahrsgutachten deutlich nach unten korrigiert. Im Frühjahr war für das Jahr 2020 noch ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 4,2 % prognostiziert worden, derzeit ist ein Minus von 5,4 % zu erwarten. Die Corona-Pandemie bzw. die Maßnahmen, die zu ihrer Eindämmung getroffen wurden, haben die Wirtschaftsleistung drastisch einbrechen lassen. Die bereits im Frühjahr einsetzende kräftige Gegenbewegung verlangsamt sich aktuell.

Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie verringert die Investitionstätigkeit der Unternehmen. Der private Konsum ist ebenfalls massiv beeinträchtigt. Die weiterhin schwelenden Handelskonflikte zwischen den USA und China bzw. der Europäischen Union sowie das künftige Handelsregime zwischen Großbritannien und der EU wirken ebenfalls bremsend auf die konjunkturelle Entwicklung.

Die Rezession hinterlässt deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt und im Staatshaushalt. Im Sommer war die Arbeitslosenquote mit 6,4 % so hoch wie zuletzt 2015. Die krisenbedingten Arbeitsplatzverluste sind trotz der massiven Inanspruchnahme der Kurzarbeit hoch. Die wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen zur Stabilisierung der Konjunktur führen zu einem Rekorddefizit für den Gesamtstaat. Die Maastricht-Grenze von 3 % dürfte erst in 2022 wieder unterschritten werden. Prägend für die Entwicklung der Verbraucherpreise ist die temporäre Mehrwertsteuersenkung in der zweiten Jahreshälfte. Insgesamt gehen die Institute für 2020 von einer Inflationsrate von 0,5 % aus.

Die Prognosen sind mit besonderer Unsicherheit behaftet, da sich derzeit kaum abschätzen lässt, welche langfristigen Schäden die Corona-Krise in den Wirtschaftsstrukturen hinterlassen wird und wie die wirtschaftspolitischen Reaktionen wirken. So ist unsicher, wie viele Unternehmen durch die Pandemie in ihrer Existenz bedroht sind. Sollte es zu einer größeren Insolvenzwelle kommen, würde sich dies in einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und einem Abschreibungsbedarf im Kapitalstock bemerkbar machen.